Hedwig und Moritz May
Hedwig May geb. Leopold
| Geburt | 07.11.1870, Nastätten |
| Deportation | 1938 unfreiwillig verzogen nach Frankfurt/Main, 15.09.1942 Theresienstadt, 16.05.1944 Auschwitz |
| Ermordet | im Mai 1945 für tot erklärt |
Moritz May
| Geburt | 15.04.1865, Camberg |
| Deportation | 1938 unfreiwillig verzogen nach Frankfurt/Main |
| Tod | 01.01.1942 |
Hedwig Leopold wurde am 7. November 1870 in Nastätten als Tochter des dortigen Kultusvorstehers und Stadtrats Julius Leopold geboren. Sie war mit dem am 15. April 1865 in Camberg geborenen Kaufmann Moritz May verheiratet, der in der Frankfurter Straße eine Eisenwarenhandlung betrieb. Am 14. Januar 1894 wurden sie Eltern einer Tochter, die den Namen Irma erhielt. Schilderungen der Lebensverhältnisse im Hause May sind in den Lebenserinnerungen der Enkeltochter Sylvia Hurst, geb. Fleischer, überliefert. Das Ehepaar May war kulturell und sozial engagiert und setzte sich insbesondere für die Camberger Taubstummenanstalt ein, zu deren Benefizveranstaltung sie alljährlich als Ehrengäste geladen waren. Moritz May widmete sich in seiner freien Zeit gerne dem Klavierspiel. Über Jahre hinweg war er Vorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde in Camberg, deren Belange er gegenüber den Gremien der Stadt vertrat. Ein besonderes Ereignis waren die alljährlichen Besuche der Enkelkinder, die im Sommer aus Göppingen anreisten. Das Jahr 1933 markiert eine Zäsur: Die Umsätze in der Eisenwarenhandlung verringerten sich infolge des Boykotts jüdischer Geschäfte. Durch die „Arisierung“ des gesellschaftlichen Lebens wurden Menschen jüdischer Herkunft aus Vereinen und Verbänden herausgedrängt. Eine schmerzliche Erfahrung für Hedwig und Moritz May, denen bürgerschaftliches Engagement in ihrer Stadt ein Herzensanliegen war. Immerhin war Moritz May Gründungsmitglied des am 26. Juni 1926 gegründeten Kur- und Badevereins, wodurch Camberg Kurstadt wurde und einen wirtschaftlichen Aufschwung verzeichnen konnte. Die Umsatzeinbußen konnten über einen gewissen Zeitraum abgefangen werden, allerdings war es den Großeltern nicht möglich, ihre Enkelkinder vor den öffentlichen Anfeindungen der HJ zu schützen. Die gebildete und kulturell interessierte Hedwig May versuchte, diese Entgleisungen mit „mangelnder Bildung“ zu erklären. Zum Jahresende 1938 trat die „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben“ in Kraft. Moritz May war gezwungen, das Ladengeschäft samt Inventar und Wohnhaus zu verkaufen. Eine Klausel im Verkaufsvertrag sah für das Ehepaar ein Wohnrecht im ersten Stock des Hauses vor. Dort hofften sie bleiben zu können. Moritz May hatte dem neuen Besitzer angeboten, ihm in der Anfangsphase des Geschäftsbetriebs zu helfen – ein letzter Versuch, die NS-Gesetzgebung zu umgehen. Nach den Novemberpogromen des Jahres 1938 versuchten Moritz und Hedwig May in der Anonymität der Großstadt Frankfurt unterzutauchen. Sie bezogen eine Wohnung in der Guiollettstraße 59.
Moritz May, bereits schwer herzkrank, konnte sich an die erzwungene Untätigkeit nicht gewöhnen. Das Verlassen der Wohnung war ihm nicht möglich, da es Juden verboten war, öffentliche Sitzgelegenheiten zu benutzen. Das Restvermögen des Ehepaars wurde 1940 durch die Oberfinanzdirektion Kassel eingefroren. Monatlich wurde ihnen eine Summe zugeteilt, über deren exakte Verwendung Buch zu führen war. Am 1. Januar 1942 starb Moritz May. Er ist auf dem neuen jüdischen Friedhof beigesetzt. Hedwig May wurde im Juli 1942 in das Frankfurter Ghettohaus in der Gaußstraße 14 verwiesen, wo sie unter erbärmlichen Bedingungen leben musste. Am 15. September 1942 erfolgte ihre Deportation nach Theresienstadt. Am 16. Mai 1942 wurde sie weiter nach Auschwitz transportiert und dort zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet. Die Tochter Irma May, verh. Fleischer, und ihr Ehemann Julius wurden im Februar und März 1942 deportiert und ermordet. Die vier Enkelkinder von Hedwig und Moritz May überlebten den Holocaust nicht zuletzt auch durch die Weitsicht der Eltern, die dafür gesorgt hatten, dass die drei Älteren: Sylvia, Susan und Arnold mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden konnten. Richard, der Jüngste, überlebte mehrere Lager und schloss sich nach seiner Befreiung der Roten Armee an.