ANTISEMITISMUS
Im 19. Jahrhundert gab es einerseits eine politische und wirtschaftliche Emanzipation der Juden in Deutschland, andererseits entwickelte sich eine neue Spielart des antijüdischen Denkens.
Zu den religiösen Vorurteilen gesellten sich jetzt rassistische Elemente. Der Franzose Joseph Arthur Gobineau (1816 – 1882) glaubte die Menschheit in eine nordisch/arische als Ur- und zwei später entstandene Primärrassen („Gelbe“ und „Schwarze“) einteilen zu können.
Der Engländer Houston Stewart Chamberlain (ein Schwiegersohn Richard Wagners) erweiterte Gobineaus Grundgedanken um den „Antisemitismus“.
Mehrere deutsche Autoren entwickelten die Vorstellung, dass Juden Angehörige der minderwertigen semitischen Rasse angehörten, der sie bestimmte Eigenschaften unterstellten. Er sei als Fremdkörper in den europäischen Völkern daran interessiert, diese auszubeuten, ihr Egoismus und ihre Feigheit stünden dem Patriotismus und Opferbereitschaft der Europäer gegenüber (Friedrich von Hellwald, 1842 – 1892).
Juden seien Drahtzieher und Nutznießer der sozialen Missstände der Industrialisierung (Karl Eugen Dühring, 1833 -1921). In einer von Charles Darwin abgelehnten Übertragung von dessen Lehren vom Kampf ums Dasein machte er es zur Pflicht der nordischen sich gegen die minderwertige semitische Rasse zu behaupten: „Der unter dem kühlen nordischen Himmel gereifte nordische Mensch hat die Pflicht, die parasitären Rassen auszurotten, wie man eben Giftschlangen und wilde Raubtiere ausrotten muss!“
Die hier verwendeten Sprachbilder wurden immer mehr ausgedehnt und die Juden mit Ungeziefer, Schmarotzern und Blutsaugern verglichen.