Geschichte der Juden in Deutschland
Die Reichsverfassung von 1871 machte alle deutschen Juden zu gleichberechtigten Bürgern. Dennoch war der gesellschaftliche Antisemitismus noch nicht überwunden, der besonders in Wirtschaftskrisen zurückkehrte.
Einige Juden rückten nun in hohe Positionen auf. Die freien Berufe (Ärzte, Anwälte) wurden ein Tätigkeitsfeld für akademisch gebildete Juden, während Armee und Justizämter verwehrt blieben. Daneben entwickelte sich ein Mittelstand von kleinen Geschäftsinhabern und Industriellen.
Die jüdischen Gemeinden blühten auf, viele Synagogen wurden gebaut, oft mit Anlehnungen an den maurischen Stil. Unter den jüdischen Verbänden traten einander widerstrebende Richtungen auf, die einerseits für Zuwendung zur modernen Gesellschaft und starke Assimilation eintraten, andererseits die Traditionen des Glaubens zu konservieren suchten.
Im Ersten Weltkrieg fielen rund 12.000 deutsche Juden. Nach dem Weltkrieg bildete sich ein „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten“ mit über 50.000 Mitgliedern.
Nach 1918 wurden die deutschen Juden als verantwortlich für die Niederlage und die Unterzeichnung des Versailler Vertrages und als Anführer der bolschewistischen Revolution ind Russland 1917 diffamiert.
Antisemitische Parteien förderten propagandistisch das in Deutschland weit verbreitete anti-jüdische Gedankengut.
Dennoch brachte die Weimarer Republik eine Reihe von Verbesserungen für die Juden. Alle Karrieren und Schulen standen nun im Prinzip offen, die mittelständische Sozialstruktur blieb gleich. Die Gemeinden wurden Körperschaften öffentlichen Rechtes. Berlin wurde zum Zentrum, wo ein Drittel der Juden wohnte. Insgesamt sank ihre Zahl trotz Zuwanderung von Ostjuden ins Reich aber von gut 615.000 (1910) über ca. 560.000 (1925) auf ca. 500.000 (1933).
Der antisemitische Vernichtungwille der Nationalsozialisten beendete die jahrhundertealte Existenz jüdischer Landgemeinden, heute finden sich jüdische Gemeinden nur noch in größeren Städten.
nach de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Deutschland