JUDENFEINDSCHAFT IN CAMBERG 1825/1848
Auch im 19. Jahrhundert war bis in höchste Kreise eine antijüdische Einstellung auch in Camberg zu entdecken. Schultheiß Fend, zugleich Kirchenvorstand, beschwerte sich beim Amt in Idstein 1815 dass „obgleichwohl in der lezt bekannt gemachten königlichen Or. Nassauischen Verordnung gegen die Entheiligung der Sonn- und Feyertag von denen Juden keine Meldung ist, so habe ich doch denselben durch den Polizey Diener bekannt machen lassen, dass dieselben keine Kremerwahren dörften verkaufen bis nach dem Gottesdienst, wie auch sie bis dahin in ihren Häusern verbleiben sollten, und wenn sie nach diesem ausgängen, sich erbar kleiden und nicht im Wamms und Pantoffeln auf- und abziehen.“
Der langjährig amtierende Pfarrer Roos notierte 1825 in seiner Pfarrchronik, dass Schwickershausen keine Juden habe, sei „recht gut, sonst würden die Einwohner noch ärmer werden.“ An anderer Stelle schrieb er: „die Gemeindevorgesetzten handeln klug und gut, wenn sie allzeit beflissen sind, dieses faule und betrügerische Geschlecht von der Gemeinde fern zu halten.“
Aus diesen Äußerungen meint man, noch stark religiöse Vorurteile herauszuhören.
In den Märzunruhen von 1848 machten die Camberger Juden zwiespältige Erfahrungen.
Moritz Lieber (1790 – 1860), der bekannte nassauische Jurist und Intellektuelle, berichtete am 18. 3. seinem Sohn Gisbert über die Vorgänge am 3. März: „Im Nachmittage bemerkte ich umherspähend hie u. da verdächtige Gruppen. Gen 8 Uhr ertönte unter dem Lärm der großen Trommel ungeheures Janhagelgeschrei ‚Freiheit! Gleichheit’ und gen 9 ½ begann der Angriff auf 5-6 Judenhäuser, der sich jedoch auf die Zertrümmerung der Fenster, Aushängeläden, Oberlichter der Hausthüren, beschränkte unter der Erklärung, daß es des anderen Abends besser, d. h. ärger darüber hergehen sollte, wenn man von Wiesbaden zurück seyn werde, wohin die Führer dieses sauberen Trupps sich sofort aufmachten.“