Das Ehepaar Liebmann
David Liebmann
| Geburt | 06.03.1879, Bonbaden |
| Deportation | ab Camberg 10.06.1942 über Frankfurt Main, weiter am 11.06.1942 nach Sobibor o. Majdanek |
| Tod | Ermordet im besetzten Polen |
Johanna Liebmann geb. Oppenheimer
| Geburt | 18.07.1879, Camberg |
| Deportation | ab Camberg 10.06.1942 über Frankfurt am Main, weiter am 11.06.1942 nach Sobibor |
| Tod | Ermordet in Sobibor |
Das Ehepaar wohnte im Elternhaus von Frau Liebmann. Johanna Liebmanns Vater war Jachiel Oppenheimer, der 1901 für die Anlage eines Turnplatzes die ersten Schritte mit einer Spende von 950 Mark für 119 Ruten unternahm. In Camberg blieb er mit seinem oft genannten Vornamen, der Jachiel, in Erinnerung. David Liebmann war Viehhändler, hatte eine kleine Metzgerei.
1936 wurde er von Landrat Dr. Karl Uerpmann für die Dauer von 6 Jahren nach Anhörung des Bezirksrabbinats, zum letzten Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde Camberg ernannt und auf dem hiesigen Bürgermeisteramt verpflichtet.
Am 9. November 1938, in der Pogromnacht, wurde das Wohnhaus der Familie im Anschluss an die Synagogenzerstörung in Camberg schwer beschädigt und ausgeplündert.
Herr Liebmann und seine Frau sahen weinend von der Ferne aus zu, wie ihr Hab und Gut zerstört wurde.
Es soll auch nicht vergessen werden, was unser Camberger Mitbürger Paul Reichmann, Friseurgeschäft, Strackgasse 21, damals Adolf-Hitler-Straße, erleben musste und für Oberstaatsanwalt Wolf, Limburg/Lahn, am 12. Dezember 1953 niedergeschrieben hatte: „Ich selbst war vom 19. Juni bis 10. Juli 1942 zu einer Gefängnishaft, die ich in Frankfurt/M. verbüßte, verurteilt, weil ich in Camberg mit einem Juden, David Liebmann, ein paar Worte ausgetauscht hatte und die Frau des damaligen Bürgermeisters Lawaczeck mich dabei gesehen und angezeigt hatte. Die während der Haft erlittenen Misshandlungen habe ich bis heute nicht vergessen.“
Das Ehepaar Liebmann musste Camberg am Mittwoch, 10. Juni 1942, verlassen. Albert Schorn schreibt dazu in seinem Buch „Cambergs Chronik 1918–1945“: „Mit dem Zug 11.25 Uhr wurden David Liebmann und seine Frau, mit ihnen noch Juden aus Camberg und Umgebung, auf Veranlassung des Gauleiters Sprenger, Frankfurt (Main), auf Nimmerwiedersehen nach Frankfurt abgeführt. Am Abend vorher setzte man sie davon in Kenntnis, dass sie morgen früh Camberg verlassen müssten. In der Nacht bewachte man das Haus von Liebmann. Am nächsten Morgen erschien schon frühzeitig ein Gendarm bei Liebmann. Dann stellte sich ein Camberger Parteigenosse und eine -genossin ein. Liebmann und seine Frau mussten sich vollständig ausziehen, worauf all ihre Kleider untersucht wurden, um festzustellen, ob sie nichts versteckt hatten. Nur 10 Mark und eine Kleinigkeit zum Essen durften sie mitnehmen. Es war ein trauriges Bild, als sie fortgingen. Frau Liebmann weinte bitterlich und bekam einen Gallensteinbrechreiz. Von Haus und Hof gejagt zu werden, nur weil sie Juden waren, war furchtbar. Ein Gendarm von Niederbrechen und einer von Erbach brachten sie weg. Die Nachbarn, die diese traurige Begebenheit miterlebten, sagten sich: „Wenn das sich nicht rächen wird, dann gibt‘s keinen Herrgott mehr!“
David Liebmann wurde zuletzt mit seiner Ehefrau auf ihrem Abtransport ins Vernichtungslager am 11. Juni 1942 von einer in Frankfurt am Main wohnhaften Cambergerin am Ostbahnhof gesehen.
Der Sohn Julius Liebmann, geb. 10. Juli 1908 in Camberg, wohnhaft in Fulda, wanderte mit seiner Frau Klara und Tochter Gertrud 1941 über Liverpool nach New York aus. Tochter Flora Goldschmidt, geb. Liebmann, geboren am 16. Mai 1909 in Camberg, gelang die Flucht nach Tel Aviv.