Frauenbad / Mikwe
- Kein körperliches, sondern rituelles Reinigungsbad. Die christliche Taufe ist davon abgeleitet.
- Ursprünglich bzw. im orthodoxen Judentum für Frauen und Männer, seit dem Mittelalter in Deutschland für Frauen nach Menstruation, Geburt etc.
- Unbekleidetes, vollständiges Untertauchen in „lebendigem Wasser“ aus Quelle, Brunnen, Grundwasser (daher sind Mikwen oft tief unter einem Gebäude, wie z. B. in Limburg)
Aus den Akten:
1837
„Das Bad zu Camberg ist [in einem] dunkeln Keller und schlecht gemauert. Es ist 5½ Fuß lang, 3 Fuß breit und 4 Schuh tief. Es hat keine Quelle und nur bei Regenwetter erhält es durch das von den Dächern fließende Wasser Zufluß.“
1841
„Durch die Erbauung einer neuen Synagoge im Jahr 1838, welche ohne die innere Einrichtung 21.000 fl kostete, die neue Anlage eines Judenbades, welches 700 fl und die Acquisition eines dazu tauglichen Locals für 400 f wurde die arme Gemeinde genöthigt, Geld aufzunehmen.“
1845
„Der enge Raum und der Rauch, der durch das Feuern in dem an das Schulzimmer stoßende Bad störend bei dem Unterricht einzieht, so wie überhaupt die Nähe dieses Frauenbads nicht geeignet ist, die Sittlichkeit der Schuljugend zu fördern.“
1850
Die Frau des Lesmann Elsas von Steinfischbach benutzte seit Jahren jeden Monat das Frauenbad und zahlte dafür 18 xr in die Kultuskasse
1852
Besitz der Judengemeinde: „1. Das Gemeindehaus oder sogenannte alte Schule. Ein zweistöckiges Haus dessen untere Etage für Lehrzimmer und Frauenbad, der obere Stock aber für eine Wohnung eingerichtet ist. 2. Brunnenleitung [für das] von dem oberen Brunnen auf dem Marktplatz ausfließende Wasser. Wird nach Bedürfnis bezogen. 3. Zur Benutzung im Baad in dem Gemeindehause: Ein kupferner Kessel, eingemauert im Bad im Gemeindehaus. Eine Badbütte, ein Eimer, ein blechener Wasserschöpfer, im äußern Baadzimmer. 4. Die von dem oberen Stadtbrunnen auf dem Marktplatz bis in das Gemeindehaus führende Wasserleitung, ein messinger Krahnen mit einer eisernen Gabel, einen Drehschlüssel dazu [außen], ein weiterer messinger Krahnen an der Mündung des Kessels.“ Vermutlich erfolgte nach dem Reinigungsbad in angeheiztem Wasser das Tauchbad in kaltem Wasser.
1874
„Personen welche dieses Bad benutzen setzen sich einer tödlichen Erkältung aus. Kein Fenster in dem Badhaus ist in odentlichem Zustand, die Thüre unverschließbar, der Boden mit steineren Platten belegt, auf dem die Badenden barfuß gehen müssen, es ist kein Zimmer zum Aus- und Ankleiden, viel weniger eine Vorrichtung zum Wärmen vorhanden. Es ist himmelschreiend daß eine solche wichtige Sache so vernachlässigt wird und mit ein wenig Mühe und etwas Geld ist dies alles gut und praktisch eingerichtet.“