JUDENFEINDSCHAFT IN CAMBERG 1890-1914

Im späteren 19. Jahrhundert verstärkte sich das judenfeindliche Denken in der wilhelminischen Gesellschaft (siehe karikierende Postkarten unten) trotz gleichzeitiger verfassungsrechtlicher Ebenbürtigkeit der Juden. Den Eliten in Miltär und Verwaltung betrieben eine Diskriminierung, die in Wirtschaft und Wissenschaft nicht durchzuhalten war. Die antijüdische Stimmung machte sich auch bei den einfachen Cambergern breit, Jugendliche brachten offenbar tätlich zum Ausdruck, was ihre Eltern dachten, wie der nebestehende Leserbrief belegt: „Seit einiger Zeit werden hies. israilitische Einwohner, wenn solche über die Straße gehen, von 16 – 17jährigen Burschen derart belästigt, daß bereits Anzeige erstattet worden ist, denn dieser Unfug hat sich soweit ausgedehnt, daß Frauen sogar am hellichten Tage, nicht nur des Abends, mit unflätischen Ausdrücken überhäuft werden. Zu einem friedlichen Zusammenleben trägt ein solches Benehmen jedenfalls nicht bei.“